Interview mit Daniel Meyer (SAM)
Thursday, July 22nd, 2010. Posted by Marta Bock.
Hallo Daniel. Nun ist euer drittes Album draußen, wie geht es euch nach der Produktionsphase und wie schnell war die Scheibe im Kasten?
Also die Produktionsphase war ja schon vor über 3 Monaten beendet. Die Hauptarbeit steckt meistens in dem ganzen Online-Bereich, Promotion, Artworks, Fotosessions, Druckvorbereitungen etc. pp.
Nur die Musikproduktion hat insgesamt 2 Monate gedauert. Aber die Ideen für die Tracks zusammen zu stellen hat schon vor über einem Jahr begonnen.
In der Presse-Info zum Album wird behauptet, SAM dürfe bei keiner Autobahnfahrt mit 200 km/h fehlen. Läuft man da als Hörer nicht Gefahr, die Hauptrolle in der nächsten Folge „Schneller als die Polizei erlaubt“ zu spielen?
Ach wir schätzen unsere Fans, sehen das auch mit einem Augenzwinkern. Wir haben häufig von Fans das Feedback gehört, dass sich die Musik hervorragend zum Autofahren eignet – diese Aussage haben wir dann etwas überspitzt in den Pressetext übernommen.
Wie würdet ihr eure eigene Entwicklung vom Debüt-Album „Synthetic Adrenaline Music“ bis zu „Brainwasher“ beschreiben?
Unser erstes Album „Synthetik Adrenaline Music“ war eher zufällig beim Experimentieren entstanden. Damals musste man erst noch lernen, wie man bestimmte Klangerzeuger und Effekte programmieren musste, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen. Bei Brainwasher war man so weit entwickelt, dass es im Prinzip nur noch darum ging, gute Ideen zu entwickeln. Das Produzieren der Tracks war keine so große Herausforderung mehr.
Euer drittes Album hört auf den Titel „Brainwasher“, also Gehirnwäsche.
Eine klare Ansage an eure Fangemeinde?
Diesmal hat unser Album tatsächlich eine klare Aussage: „Wir waschen Euch die Köpfe“. Wir wollten ein Album machen, dass als Gegenpol zur alltäglichen und unbemerkten Gehirnwäsche steht. Die Zielgruppe wird von uns konditioniert.
Das Album beginnt gleich mit dem Opener „Warning“, in dem ihr ausdrücklich vor Gehirnschäden beim Konsum dieser CD „warnt“ und zum stoppen der Disk auffordert. Jeder, der eurem Rat folgt, ist doch selber Schuld, oder?
Diese Warnung mussten wir aus rechtlichen Gründen abspielen, da es in der Tat zu Bewusstseinsveränderung und evtl. Nervenschäden kommen kann. Dies ist das Ziel dieses Albums, darum wollten wir den Hörer zumindest vorher gewarnt haben!
„Bull Fucking Shit“ wurde ja bereits im Vorfeld des Albums zum Clubhit. Was macht den Erfolg speziell dieses Stückes auf den Dancefloors aus?
Es ist simpel und einprägsam… Die Leute können zu diesem Track einfach mit schreien und ausrasten. Außerdem schätzen wir, dass das überdurchschnittlich schnelle Tempo auch ein Faktor ist.
Wenn man Google mal nach dem Titel des letzten Songs „MKSearch“ befragt, bekommt man als Antwort, dass dies ein „Entwicklungsprojekt für eine Metadata Suchmaschine“ sei. Welche Idee steckt bei euch dahinter?
MKSEARCH ist die Weiterentwicklung des MKULTRA Versuchsprojektes. Es handelt sich dabei um Methoden zur Gedankenkontrolle. Wir haben einige dieser Techniken in diesem Song angewandt, deshalb fanden wir den Namen ganz passend.
Gibt es im Hause „Meyer“ eigentlich auch mal Familienstreitigkeiten bei der Produktion eines Albums oder hinter der Bühne?
Nein, zum Glück sind wir uns beim Thema Musik sehr einig in welche Richtung es gehen soll. Wir hören uns die Tracks zusammen an und überlegen gemeinsam, was wir noch verbessern können.
Daniel, wurdest du eigentlich schon mal mit einem gewissen anderen Daniel Myer verwechselt?
Ja manchmal kommt das schon vor. Aber das Problem liegt einfach auch darin, dass der Name „Daniel Meyer“ im Prinzip ein Allerweltsname ist. Allein in Kassel haben wir davon schon mehrere. Dazu kam noch, dass ich vor etwas längerer Zeit ein paar Demo-Songs die nichts mit SAM zu tun hatten auf MySpace hochgeladen hatte und diese aus Zeitmangel einfach Selftitled gelassen hatte. Dies hatte etwas zu Verwirrung geführt.
Ihr habt schon viele Remixe für namhafte Künstler und Bands wie Reaper oder [:SITD:] gemacht. Welches war euer Lieblingstrack, den ihr neu durch den Mixer gejagt habt?
Wir finden der beste Track, den wir bis jetzt gemixt haben, ist „Fail“ von „Everything goes cold“. Der Remix ist ein Mix aus Electro mit Metal-Gitarren gemischt. Aber natürlich mögen wir auch unsere anderen Remixe. Besonders Spaß hat auch der „Rot“ Remix von [:SITD:] gemacht.
Der „Markt“ elektronischer Dancefloor-Musik ist momentan ziemlich übersättigt. Wie seht ihr eure Stellung in diesem Genre?
Es gibt zwar eine große Auswahl an elektronischer Musik auf dem Markt, doch leider oft nichts Neues. Wir versuchen unsere Zuhörer mit neuartigen Sounds und Ideen zu versorgen. Das läuft bis jetzt ganz gut.
Wie denkt ihr, wird sich die Clubszene in den nächsten Jahren entwickeln?
Hm, gute Frage. Wir finden, dass sich die Clubszene, besonders im Industrial/Dark-Electro Bereich, leider fast gar nicht weiterentwickelt hat. Viele Songs haben noch immer genau das selbe Schema, wie als wir diese Musik zum ersten Mal gehört hatten. Das ist sehr schade… wohl aus diesem Grund hören wir privat eigentlich ausschließlich andere Musik.
Eure Musik klingt streckenweise „technoid“. Könntet ihr euch vorstellen, dass eure Songs auch auf Techno-Parties, der MayDay oder ähnlichen Veranstaltungen laufen?
Natürlich, das wäre ein Kompliment und würde zeigen, dass unsere Musik unterschiedliche Schichten an Hörern erreicht. Wir haben auch nie den Anspruch erhoben in eine bestimmte Szene zu gehören.
Ihr habt ja schon im Vorprogramm diverser Bands, wie z.B. Combichrist gespielt. Gibt es eine andere Band auf eurer Wunschliste, die ihr gerne einmal begleiten möchtet?
Eigentlich haben wir bisher jede Band schon begleitet, die wir begleiten wollten. Wirklich. Natürlich würde man mit manchen Bands gerne noch mehr in Zukunft machen, daran arbeiten wir auch schon. Es macht Spaß unter Musikern und Gleichgesinnten zu sein, außerdem sind die Menschen von denen man erwartet, dass sie arrogant wären, es nicht mal.
Wo bekommen wir euch denn dieses Jahr noch live zu sehen?
Die Bookings für dieses Jahr laufen noch, aber fest steht eine Performance in Frankfurt auf dem Highvoltage Festival und in Utrecht auf dem Summer Darkness Festival, welches ein exklusiver Niederlande Auftritt werden wird.
Gemäß eurer bisherigen Diskographie müsste das nächste Album 2012 erscheinen…
Wenn wir den bisherigen Zyklus einhalten wollten, ja. Aber wir legen uns da nicht fest, es kommt halt, wenn es kommt.
Die letzten Worte gehören euch:
Wir möchten uns gerne bei unseren Fans bedanken, die uns den Antrieb für SAM geben!
SAM @ MySpace: www.myspace.com/projectsam
Interview: Dietmar Fels & Astrid Kerber
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