Ein paar Worte zu Apple’s MWSF Keynote und über Verwertungsrechte und creative commons

Gestern konnte man u.a. bei macnotes.de die Macworld 2009 Keynote von Apple als Live-Ticker verfolgen. Wer möchte kann sie seit heute auch als Videostream online gucken oder als Podcast herunterladen.

Größte, aber auch wohl am wenigsten wahrgenomme, Neuerung der Keynote war die Abschaffung des DRM (Digital Rights Management, siehe auch Wikipedia) der Titel im iTunes Music Store (iTMS).

MacNotes.de schreibt z.B., dass die “[...] Resonanz auf Apples iTunes-Revolution leider ins Hintertreffen” gerät und dass “[...] 2009 doch mit einem Knall begonnen hat, und [...] wir das vielleicht erst in ein paar Jahren bemerken.”

Wie auch in dem o.g. Artikel erwähnt wurde der iPod 2001 vorgestellt, damals war die Reaktion der Massen eher verhalten, da schon seit 1998 verschieden MP3-Player auf dem Markt waren. Vorreiter war vor 10 Jahren RIO, die nach Vorstellung ihres Players direkt eine Klage der Musikindustrie erhielten. Leider hatte in dieser Zeit Musik auf einem Datenträger immer schnell einen negativen bzw. illegalen Beigeschmack. Apple’s Music Store und die Koppelung an das Abspielgerät iPod nahm dem Online-Erwerb und der Musik auf einem Datenträger diesen illegalen Touch.

“Der Kampf gegen DRM ist so alt wie die Musik aus dem Netz. Seit gestern scheint er geschlagen: die Majors erlauben dem größten Onlineshop den Vertrieb DRM-freier Musikfiles” (Zitat: MacNotes.de, s.o.). Nun kann man die gekaufte Musik auf jedem Player (sofern dieser das AAC-Format unterstützt) abspielen, was auf kurz oder lang nun den mehr oder weniger sichern Tod für das Medium Compact Disc bedeutet.

Meiner Meinung nach ist der DRM-freie Verkauf von Lieder und Alben im iTMS ein “deep impact”, der die Musikwirtschaft endlich und hoffentlich für die nächsten Jahre verändern wird. Schade ist, dass manche “Titel-Updates” dann doch mit 30 Euro-Cent zu Buche schlagen, in meinem Fall komme ich auf 174 Titel, die als sog. “Update” etwas über 40 Euro kosten würden. Ein kostenfreies Update für diese “Bestandstitel” wäre mir lieber gewesen, denn bezahlt sind die, zum Großteil älteren Titel, ja schon.

Es wurde Zeit für ein Umdenken der Labels, aber ich finde, dass die aktuelle Entwicklung noch weiter gehen könnte, um so nicht nur “im stillen” Änderungen herbei zu führen, Stichwort ist hier die sog. Kulturflatrate (siehe auch: Urheber 2.0 – ZDF erklärt Creative Commons) und/oder die z.Zt. oft diskutierten Rechteprobleme vieler bei Youtube, etc. eingestellter Videos mit lizenzpflichtiger Musik.

Warum gibt es z.B. nicht direkt auch bestimmte Verwertungsrechte im iTMS zu kaufen?

Apple hat vor ca. 3 Jahren das Podcast-Verzeichnis in iTunes integriert, was die Frage aufwirft, warum die Musikindustrie und Apple nicht auch gleich die Integration des Erwerbs von Podcast- bzw. Youtube-Verwertungsrechten fördern? Die Musik der Majors muss nicht gleich unter einer Art Creative Commons License (siehe creativecommons.org oder CC in Videoform am Beispiel der White Stripes erklärt, auch sehenswert, das Video: A shared Culture) gestellt werden. Für ein paar Cent (0,15-0,30 Euro pro Titel) mehr könnte man verschiedene und/oder bestimmte Titel der wachsenden digital native/digital creative (siehe die noch Rohfassung des “Manifest der Digital Natives“) oder besser der “share, mashup, remix“-Gemeinde (siehe RiP: A Remix Manifesto) zur Verfügung stellen. Viele Podcaster müssten sich so z.B. nicht mit GEMA-Lizenzen oder anderen Verwertungsgesellschaften herumschlagen, würden nicht den Spaß an der Sache verlieren und könnten sich auf ihre Podcasts bzw. im übertragenen Sinne auf ihre Kreativität konzentrieren. Die Musikindustrie würde dafür im Gegenzug einen Schwarm von Promotern bekommen, denn oft genug werden Songs auf Grund persönlicher Empfehlungen (Stichwort Podcast) gekauft oder weil man sie irgendwo in einem coolen Internet-Video “gehört” hat. Außerdem würden die “Abspiel-Gebühren” so “direkt” bei den entsprechenden (!) Künstlern ankommen bzw. viel genauer abgerechnet werden können, statt im großen Topf der Verwertunggesellschaften zu landen. Nebenbei erwähnt ist hier übrigens Moby ein Vorreiter, denn er stellt Amateur- und Nachwuchsfilmern einen Teil seiner unveröffentlichten, aber auch einen Teil seiner bereits veröffentlichten, Tracks kostenlos zur Verfügung (siehe mobygratis.com).

Es ist schade, dass “Der Kampf gegen DRM [...] so alt wie die Musik aus dem Netz” (Zitat: MacNotes.de, s.o.) ist (bzw. war) und dass die großen Labels, aus scheinbar purer Existenzangst (als Mittelmann/Intermediary), sehr lange brauchen, um sich an die neuen Entwicklungen, die das Internet bietet, anzupassen, statt die neuen Vertriebswege besser zu nutzen und den “digital natives” bzw. der kreativen “share, mashup, remix“-Generation passende und vor allem bezahlbare Erwerbsmodelle zu bieten.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat aus dem o.g. “RiP: A Remix Manifesto“-Trailer: “There’s no way to kill this technology, you can only crimilize it’s use. If this is a crime, we have a hole generation of criminals”.

Ebenfalls lesenswert zum Thema iTunes DRM-frei: Confirmed: iTunes Going DRM-Free. Unclear: Does Anyone Care?.

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